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Memory - Identity

Gedächtnis und Identität bei und nach Philip K. Dick

Memory - Identity

Weblog zur UE Theorien und Methoden der Medienwissenschaft -
Philip K. Dicks Medien
im SS09 an der Uni Wien

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July 1st, 2009

Quaids Identität

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Unserer Wahrnehmung nach stellt sich die Frage nach der Identität in der Geschichte We can remember it for you wholesale weniger als im Film Total Recall. Die Frage nach seiner Identität wird in der Geschichte nur am Rande behandelt, nicht so wie im Film in dem diese Frage die zentrale Handlung darstellt. In Total Recall wird die Zweiteilung der Person Quaid/Hauser auf jede erdenkliche Art und Weise und auf jeder Erzählebene intensivst zelebriert (Spiegel, Hologramm; Melina/Lori, Mars/Erde). Außerdem wird im Film absichtlich die Frage offen gehalten, ob die Ereignisse wirklich stattgefunden haben oder nur den Inhalt des Rekall'schen Gedächtnisimplantates darstellen. Im Film existieren zwei Identitäten, die beide den selben Körper bewohnen. Quaid hat eine von Hauser vollkommen unabhängige Identität, die seiner trotzdem in einigen Punkten ähnelt. Man muss als Zuseher annehmen, dass Hauser die Ausgangsperson ist, in deren Körper Douglas Quaid implantiert wurde, doch Douglas Quaid scheint eine eigenständige Person mit eigenständiger Identität zu sein. Seine momentane Lebenssituation und seine Vergangenheit, die ihn dorthin führte scheinen schlüssig und geklärt. Das Einzige, was geblieben ist, ist eine Art Sentimentalität, die ihn auf die Spuren seiner alten Identität führt.

Geht man von der Prämisse aus, dass sämtliches Gezeigte als diegetisch real zu betrachten ist, könnte man annehmen, dass die Träume und Fähigkeiten, die von einem Vorleben mit einer anderen Identität zeugen, absichtlich hinterlassen wurden und Teil des Plots von Hauser und Cohaagen sind.

Nimmt man jedoch an, dass alles nur implantiert ist, ist die durch Träume ausgedrückte Sentimentalität einfach nur eine solche (frühkindliche Prägung oder Ähnliches … ). Die Fähigkeiten sind bereits Teil des Implantats und müssen deshalb nicht mehr in Frage gestellt werden.

Eine dritte etwas weniger offensichtliche (und paranoidere) Theorie geht davon aus, dass es Hauser gar nicht gibt und nie gegeben hat. Cohaagen nützt einfach nur eine etwaige Amnesie Quaids aus, (Es wurde nichts implantiert sondern nur diese Amnesie manipuliert) um diesen für seine Zwecke zu benützen. Hauser auf Video ist nur eine Simulation. Cohaagen produziert Quaids Paranoia.

Paranoia ist ein großes Thema bei Dick und würde ihm in diesem Punkt unserer Ansicht nach auch sehr entgegenkommen. We can remember it for you wholesale kann auch auf Paranoia gelesen werden. Geht man davon aus, dass schwer paranoide Menschen nur Schlüsse zulassen, die ihre Vorstellungen stützen, könnte man Douglas Quaids Marsabenteuer auch so interpretieren.

June 30th, 2009

In der Psychologie gibt es kein einheitliches Verständnis darüber, was Identität bedeutet. Einigkeit besteht allerdings in dem Punkt, dass Identität das ist, was eine Person „wirklich“ ist. Und hier stellt sich für Mr. Quail bzw. Mr. Quaid die große Frage. Wie kann er wissen, wer er wirklich ist, wenn er sich nicht sicher sein kann, ob seine Erinnerungen real sind? Immerhin begründen unsere gesammelten Erfahrungen, Wahrnehmungen, sowie gebildeten Wertevorstellungen unser Gedächtnis und sind weiters auch die Grundlage für unsere Persönlichkeit.

Als Gedächtnisstütze und Hilfe hat Mr. Quail in „We Can Remember it for You Wholesale“ eine Box in seinem Besitz mit sechs toten maw-worms und deren Nahrung, die in an seine Mars-Identität glauben lassen. Mr. Quaid bekommt im Laufe von „Total Recall“ einen Koffer, durch dessen Inhalt er unteranderem sieht, wie er sich selbst eine Nachricht hinterlassen hat, mit Informationen, die ihm bis zu diesem Zeitpunkt nicht vertraut waren. Doch kann man wirklich noch jeglichen Eindrücken Glauben schenken, wenn man sich nicht sicher sein kann, ob überhaupt noch eine Erinnerung wahr oder implantiert ist?

„Identität meint die Beschaffenheit des Selbst als einmalige und unverwechselbare Person durch die soziale Umgebung und durch das Individuum selbst.“ lautet eine gängige Definition von Identität. Mr Quail bzw. Mr. Quaid kann wohl kaum als unverwechselbar halten, wenn unterschiedliche Personen in ihm, eine in den Grundzügen, andere Person vor sich sehen. Wie soll er noch sich selbst, bzw. seinem Gedächtnis , geschweige denn seinem sozialen Umfeld Glauben schenken? Hier stellt sich die Frage, ob Mr. Quail bzw. Mr. Quaid zu diesem Zeitpunkt über eine Identität überhaupt verfügt?

Sämtliche Fragen aus denen sich die Identität zusammensetzt, stehen mit einem Schlag wieder offen:
„Wer bin ich, wie bin ich?, Wie möchte ich sein?, Wie glaube ich, dass ich werde?, Für wen hält man mich?, Wie möchten andere mich haben?“

- Hobmair, Hermann (Hg.), Psychologie. Troisdorf: Bildungsverlag EINS ³2003

June 29th, 2009

„The only thing that's worse than being treated as "not serious" is being treated as "serious." I'd much rather be ignored. And this "scholarly" science fiction criticism is the worst.
You know, if they can't destroy you by ignoring you, they can destroy you by annexing you.
They, the literary critics, write these incredibly turgid articles which see all this "meaning" in your writing. The end rsult, I guess, is to drive all your readers away screaming.“ (Philip K. Dick in einem Interwievmit dem Aquarioan Magazine 1978, http://www.philipkdickfans.com/interviews/aquarian.htm Zugriff am 25.06.2009)

Philip Dick beschwert sich in diesem Zitat darüber (natürlich mit einem gewissen Maß an Humor), dass seine Texte anscheinend ständig von Kritikern und Theoretikern überinterpretiert werden. Unserer Meinung nach ein Problem das auf das Werk vieler anderer Künstler übertragen werden kann. Scheinbar ist es vielen Menschen nicht genug, etwas schlicht wahrzunehmen also in seiner Ästhetik zu akzeptieren und subjektiv und vage auf sich wirken zu lassen. Niemand kann beweisen mit welchem Grad an Absicht und Konstruktion ein Text oder ein Filmskript (ein solches wohl eher, schon alleine aufgrund der schieren Anzahl der im späteren Arbeitsprozess beteiligten Personen) verfasst wurde und ob dies nicht genauso in einem Zustand von vager Subjektivität entstanden ist. Also wenn sich etwas anhand eines solchen Textes (im allgemeinen semiotischen Sinn) erörtern oder analysieren lässt, bedeutet dies noch lange nicht, dass der Autor dies ursprünglich auch so beabsichtigt hat.

Man kann davon ausgehen, dass es zum schreiben eines umfangreichen und komplex in sich geschlossenen Romans (wie zum Beispiel Radio Free Albemuth) nötig ist einegewisses Maß Konzeption und Überarbeitung nötig ist, jedoch verwehren wir uns des Gedankens, dass der Autor nicht ständig in Versuchung ist eine neue Richtung einzuschlagen oder ein neues Thema zu etablieren.

Bei Kurzgeschichten jedoch gibt es gar keinen Grund langgestrickte Zusammenhänge zu konstruieren. Es läuft meist natürlich auf eine gewisse Pointe hinaus. Die benötigte Anzahl an Personen und Themen ist jedoch eine viel kleinere. Wir mutmaßen hier, dass sie deshalb viel intuitiver geschrieben werden kann. Die führt zu einer Betrachtungsweise wie sich die Kurzgeschichte We can remember it for you wholesale und die filmische Umsetzung davon Total Recall zueinander verhalten.

Man könnte schlichtweg behaupten, dass Total Recall eine ebensolche Überinterpretation der Kurzgeschichte ist. Er setzt eine sehr differenzierte Auseinandersetzung mit der Vorlage voraus und man kann davon ausgehen, dass diese Auseinandersetzung an sich mehr Zeit in Anspruch genommen hat, wie das schreiben der Geschichte selbst. Dennoch ist es nicht so zu sehen, dass hier zu sehr hineininterpretiert wurde wie viel mehr heraus, da man sich ja für ein völlig neues und eigenständiges Werk hat inspirieren lassen (wie Beispielsweise auch David Cronenberg bei seiner Umsetzung des William S. Burroughs Romans Naked Lunch). Es ist durchaus angenehm, dass ein Sekundärtext selbst auch wieder in der Form eines Primärtextes ausgeführt werden kann und nicht grundsätzlich mit Wahrheitsanspruch argumentiert werden muss.

Death to Reality!
Death to the Demon Gilles Deleuze!

June 27th, 2009


„Eine Gesellschaft auf Droge“ – Philip K. Dick und seine Short Story We Can Remember it for You Wholesale – Teil 2

Ausgehend von unserem vorherigen Blog über die Drogenproblematik Dicks und dem letzen Eintrag „Gedächtnis und Identität über das Individuum hinaus“ werden wir uns wieder auf die Suche nach Dicks Zusammenhang mit manipulativen Substanzen und seinem Werk, im Bezug auf Gesellschaft und deren Veränderung, begeben.

Indentitätsbildung, wie schon erörtert, kann oder besser passiert im Zusammenhang mit gesellschaftlichen oder auch historischen Wandel. Robert Silverberg, selbst Fiction und Science Fiction Autor, sieht den Kontext von SF-Storys im Wandel der amerikanischen Gesellschaft.

„That is, in a period of social upheaval such as we have experienced since the death of John F. Kennedy and the escalation oft he Vietnamese war, conventional modes of behavior lose their appeal, and fascination with the bizarre, the alien, the unfamiliar, the strange, with all sorts of stimulation that provide escape from the realities oft he moment, increases at a great rate.Science fiction not only offers those values in abundance but also, in ist facet as satirical commentary on the here –and –now world, provides a perspective on our rapid social changes that has great appeal to readers, […]."

 

Demnach lassen wir uns von Umständen prägen und prägen aber auch gleichzeitig die Umstände mit. Je nachdem welche Rolle man in der Gesellschaft einnimmt, werden bewusste oder unbewusste Handlungen zum Grundstein des Gedächtnisses, denn jedes Individuum nimmt die gesellschaftlichen Einflüsse korrespondierend mit der „inneren Landkarte“ wahr.

Wenn dazu noch ein Rauschmittel Einfluss nimmt, wechselt der Betrachter seine Landkarte und fügt zusätzliche Sinnesreize hinzu. So könnte man sagen, dass Identität nicht nur auf rationalen Eindrücken aufbauen muss. In der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und den individuellen Phantasien und Reizen der Umwelt behaftet, sucht sicher jeder seine Identitätsbausteine zusammen.

Der Gebrauch von bewusstseinserweiternden Drogen hilft Dick oft seine Bausteine zu manifestieren, wenn gleich sein Artikulationspotential einmalig ist, schließt es eine „Flucht der Realität“ mit ein. Wie schon in der Lehrveranstaltung erwähnt, ist Philip K. Dick ein Meister des Vielschreibens. So dient nicht nur eine Substanz als Mittel zur Befriedigung, sondern in Dicks Fall wäre seine Droge, die des Schreibens. Wie bei den meisten Künstlern, seien es Tänzer, Maler oder eben Schriftsteller, entsteht die Kunst erst, wenn die Auseinandersetzung mit sich selbst erfolgt, was natürlich nicht heißen muss, dass man mit sich im positiven Einklang steht. Vielmehr könnte man meinen, dass die „besten“ künstlerischen Entfaltungen erst dann passieren, wenn das „Ich“, die Gesellschaft und noch weitere Einflüsse miteinander korrelieren.

Spannend hierzu wäre auch die Beschäftigung mit der, sowohl im Film als auch in der Kurzgeschichte, aufkommenden Thematik des Traumes im Bezug auf das Bedürfnis/Verlangen (desire), denn Träume können sowohl als Symbol von Fiktion und auch Realität gesehen werden.    

Quellen:

Silverberg, Robert. Drug Themes in Science Fiction, Los Angeles: National Institute on Drug Abuse 1975, S. V Preface (http://www.erowid.org/library/library_bibliography1.pdf, 10.Juni 2009.

June 25th, 2009

Vielleicht etwas weiter vom Text entfernt als bei uns üblich, aber etwas, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

Wenn man nach Identität und Gedächtnis als Begriffspaar sucht, nach zwei Konzepten, die zueinander in einem Zusammenhang stehen, so stößt man in großer Menge auf Themen wie Nation, politische Identität, kulturelles Gedächtnis und historische Brüche.
Identität und Gedächtnis gemeinsam also als Kräfte auf der Makroebene gesellschaftlicher Entwicklung gedacht und nicht in Bezug zum Individuum, wie in der Dick’schen Vorlage und Verhoevens Adaption.

Einige wenige Beispiele für diese Beobachtung:
Assmann, Jan, 1999: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München: Beck.
Cambi, Fabrizio [Hrsg.], 2008: Gedächtnis und Identität: Die deutsche Literatur nach der Vereinigung. Würzburg: Königshausen & Neumann.
König, Helmut [Hrsg.] 2008: Europas Gedächtnis. Das neue Europa zwischen nationalen Erinnerungen und gemeinsamer Identität.
Bielefeld: Transcript-Verlag.
Rapaport, Lynn, 1997: Jews in Germany After the Holocaust: Memory, Identity, and Jewish-German Relations.
Cambridge: Cambridge University Press.
erinnerungskultur.com/ (Blog, Stand: Dez. 2008)
www.oeaw.ac.at/home/thema/thema_200611_2.html (Die ÖAW zu ihrem Forschungsprojekt Gedächtnis-Erinnerung-Identität, Stand: Nov. 2006)

Grob gesprochen lassen sich zwei unterschiedliche Stoßrichtungen ausmachen: Ein, nach dem Ägyptologen Jan Assmann, kulturwissenschaftlicher, weit ausholender Blick auf die Entwicklung menschlicher Kulturen einerseits.
Andererseits die konkrete Betrachtung von Ereignissen relativ naher Vergangenheit und deren Auswirkungen bzw. gegenwärtig stattfindender Prozesse. Häufige Themen sind etwa das Ende der DDR, die Frage einer neuen europäischen Identität oder - gerade auch im englischsprachigen Raum - der Holocaust und das Leben danach.

Gesellschaft als etwas, das eine Identität hat, diese auch verändern oder gar verlieren kann. Angesichts der bewegten Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und auch aktueller Debatten, ist uns diese Vorstellung nicht fremd. Hat sie aber auch so etwas wie ein Gedächtnis? Ja - es sind Traditionen, Werte, Normen, aber auch Moden, die in jedem Lebensbereich vorkommen und gewissermaßen den sozialen Wandel dokumentieren.
Schließlich auch die Geschichtsschreibung. Es steckt schon im Wort drinnen, Geschichte geschieht nicht einfach, sie muss von jemandem geschrieben werden, wird konstruiert. Wir wissen heute auch, das man im Umgang mit der Geschichte vorsichtig sein muss, weil sie nie völlig objektiv sein kann, vom Verfasser geprägt ist und von nachfolgenden Betrachtern neu gelesen und weitervermittelt wird.
Dieser Prozess ist Erinnerung und aus ihr bezieht Gesellschaft einen wichtigen Teil ihrer Identität. Dieser Zusammenhang und die prekäre Natur des Gedächtnisses, sind auf der Makroebene großer sozialer Zusammenhänge vielleicht fast leichter zu verstehen als im Individuum. Ich glaube, dass man sie aber gut umlegen kann.

Zentral ist für mich das "Geschichte(n) schreiben" und Geschichte(n) erzählen". Das ist eine Notwendigkeit des menschlichen Denkens, alles in Form von Narrativen zu verarbeiten, die dann die eigene Person ebenso wie die Kultur durchziehen. (vgl. etwa Müller-Funk 2002). Gesellschaften haben ihre Geschichten von Anfängen und Stürzen, von Amtsperioden, Kriegen und Revolutionen. Ebenso verpacken wir unsere persönliche Vergangenheit in Form von Handlungssträngen. Die Kindheit, Erfolge und Niederlagen, prägenden Ereignisse - man konstruiert Handlungen mit sich selbst als Protagonisten. Anders ist es scheinbar nicht zu fassen, geschweige denn jemand anderem zu kommunizieren.
Und genau so wird auch in We Can Remember It for You Wholesale die Manipulation von Douglas Quail verhandelt, über ausformulierte Geschichten über interplanetare Geheimagenten und eine außerirdische Invasion. Keine zufällig gewählten Geschichten sondern solche, die das Genre in dem Dick arbeitet selbstreferenziell wiederzuspiegeln scheinen.
Seine SF verdinglicht mit ihrer maschinellen Veränderung von Erinnerung lediglich einen tatsächlichen, ständigen Prozess des Einzelnen wie auch der Masse und macht ihn auf diese Weise sichtbar.



Müller-Funk, Wolfgang, 2002: Die Kultur und ihre Narrative. Wien, New York: Springer.

June 23rd, 2009

“I came to understand that the human mind could conceive a realm of which the empirical world was epiphenominal. Finally, I came to believe that in a certain sense the empirical world was not truly real, at least not as real as the archetypal realm beyond it. At this point I despaired of the veracity of sense-data. Hence in novel after novel that I write I question the reality of the world that the characters' percept-systems report.”1

In dieser Aussage wird unserer Meinung nach deutlich, dass Philip K. Dick sich ähnlich den Philosophen des radikalen Konstruktivismus von der Wirklichkeit, die durch unsere Sinneseindrücke erzeugt wird distanziert. Der radikale Konstruktivismus unterscheidet zwischen eine angenomenen „wirklichen“ Realität, der sogenannten ontologischen Realität, und der wahrgenommenen phänomenalen Realität. Diese Philosophie bezieht sich, wie Dick auch auf vorsokratische Ideen („The pre-socratics always fascinated me […] “ 1) wie zum Beispiel Platons Höhlengleichnis.

“In college I was given Plato to read and thereupon became aware of the existence of a metaphysical realm beyond or above the sensory world.”

Der radikale Konstruktivismus, der unseres Wissens nach in den siebziger Jahren entstanden ist kann somit auf die vorher verfasste Literatur Dicks keinen expliziten Einfluss gehabt haben, Parallelen ergeben sich durch den Bezug auf ähnliche Quellen und ähnliche Schlüsse aus diesen. Dick formuliert diese jedoch nicht als explizierte Theorie, sondern verwendet seine Ideen als Inspiration für seine Literatur.

Um wieder zur Qualia zu kommen, möchten wir die Frage der Beweisbarkeit für die Qualität unserer Sinneseindrücke stellen: Wenn wir nicht die Existenz unserer Umwelt beweisen können, müssen wir die Quale unserer Sinneseindrücke als das einzig existierende annehmen. Diese ist zwar nicht intersubjektiv beweisbar, aber mangels einer Kommunizierbarkeit auch nicht widerlegbar.

Somit müsste sich auf die Frage die in Total Recall Douglas Quaid gestellt wird, was denn immer gleich bliebe in seinen Urlauben, nämlich er selbst, sich auf die ihm immanente Qualität seiner Sinneseindrücke beziehen.

1(Philip K. Dick in einem Interwiev, geführt von Frank C. Bertrand 1980, http://www.philipkdickfans.com/frank/pkdinter.htm Zugriff am 20.06.2009)

June 17th, 2009

http://www.youtube.com/watch?v=IODCDhjgYY0

Quail und Qualia I

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In unserer Recherche zu den Themen Gedächtnis und Identität im besonderen im Bezug auf die Philip K. Dick Kurzgeschichte We can remember it for you wholesale und dem von dieser Geschichte inspirierten Film Total Recall sind wir auf die vermeintliche Homophonie des Namens Quail mit dem philosophischen Begriff der Qualia (Quale im Singular) gestoßen. Leider fanden wir bei der weiteren Recherche heraus, dass jedoch aufgrund des etymologischen Zusammenhangs zwischen quale und quality sich wohl doch keine Homophonie festellen lässt. Wir fanden unsere Erkenntnisse dadurch jedoch nicht von geringerem Interesse.

Der Begriff „Quale“ beschreibt den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes. Das bedeutet die Qualität einer Erfahrung die sich nur demjenigen Entschlüsselt, der die Erfahrung selbst macht und auch jedem Individuum auf eine vermutlich ihm eigene Art und Weise. Aufgrund der Unmöglichkeit diese Qualität ohne Zuhilfenahme von durch der individualität gegenüberstehenden, konsensuell entwickelten allgemeinen Symbolen (i.e. Digitale Kommunikationssysteme wie beispielsweise Sprache) zu übertragen, lassen sich diese Qualia auch nicht beweisen und können nur angenommen werden.

Wir nehmen aufgrund gemeinsamer ähnlicher Erfahrungen und Gedanken an, dass sich wohl schon jeder die Frage Gestellt hat nach der Vergleichbarkeit von Sinneseindrücken wie „Rot“ oder dem Geschmack von Speiseeis. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir über dieselbe Sache an sich sprechen, sondern müssen sich immer auf durch die jeweilige Sozialisation genormten Begriffe stützen. Also wissen wir nur, dass rote Dinge eben rot sind, können die individuelle Qualität von Rot nicht untereinander abgleichen.

In Bezug auf die Identität bedeutet das folgendes: Wir nehmen an, dass sich unsere Identität - u.a. von unserer biologischen Disposition abgesehen – durch eine Verkettung von Sinneseindrücken – wiederum physiologisch gefiltert – und damit verbundener emotionaler Zustände entwickelt. Die individuelle Qualität, die Qualia, scheint uns damit ein wesentlicher Faktor sowohl der Bildung als auch letztendlich der Qualität unserer Identität selbst zu sein.

June 11th, 2009


„Eine Gesellschaft auf Droge“ – Philip K. Dick und seine Short Story We Can Remember it for You Wholesale

Dick’sche Werke sind unter anderem geprägt durch immer wiederkehrende Substanzen die auf mannigfaltige Weise wirken. Seine Auseinandersetzung mit Drogen lässt sich wohlmöglich auf seine eigenen Erfahrungen zurückführen, da er  mit Amphetaminen und Metamphetamin experimentierte. Seine jahrelangen Drogenexzesse hinterließen Spuren, sowohl an ihm selbst, als auch an seinem Werk  We Can Remember it for You Wholesale, indem er das Mittel „Narkidrine“ erfindet.

In einer Studie aus 1975 über den Zusammenhang von Drogen und Science Fiction Erzählungen wird Narkidrine als „Mind-Controller“ eingestuft.

„A technique is developed by which, using a hypnotic drug called narkidrine, false memories can be implanted in a human brain. The memory-implant technique can be used to provide the vicarious illusion of pleasurable experience, but also- -as the story unfolds- -we see that it can be used for purposes of pilitical intrigue.“

Wahrnehmung- Speicherung à Gedächtnis

Unter Drogeneinfluss nimmt man Sinneseindrücke differenziert wahr. Dabei kommt es natürlich darauf an Was und Wie man eine Substanz zu sich nimmt. Philip K. Dick versuchte sich an Amphetaminen die vor allem die Zeitwahrnehmung beeinträchtigen aber nicht unbedingt optisch- halluzinogen wirken müssen. In seinem Fall verursachte die Droge allerdings schizophrene Zustände – wie er es selbst beschreibt- und sorgte dafür, dass er sich immer mehr zurückzog um „achtzig bis hundert Wörter pro Minute“ zu schreiben.

„Seine Arbeit als schreibender Erfinder von Wirklichkeiten hat ihn daran gewöhnt, sich in Befindlichkeiten und ihre Umstände hineinzusteigern, um sie nach ihrer Niederschrift zu vergessen“

Dies könnt man als eine Art von Selbsttherapie deuten, wenn er Absätze, wie folgt, in seine Short Story packt – „Easy avenue to paranoia; sitting here alone he felt them tuning in on him, monitoring, recording, discussing… he shivered, rose to his feet, walked aimlessly, his hands deep in his pockets. No matter where I go, he realized. You’ll always be with me. As long as I have this device inside my head.“

Wie Dick sein Leben unter Drogeneinfluss wahrgenommen hat, bleibt leider ein Rätsel, dennoch thematisiert Hans-Christian Dany in seinem Buch „Eine Gesellschaft unter Droge“ Dicks Schreibgewohnheiten. Dabei bemerkt er im Allgemeinen bei Benützern  eine „Verwechslung  von Innen- und Außenwelt“. Ein Motiv das man auf  We Can Remember it for You Wholesale anwenden kann, da er zwischen zwei Welten bzw. Realitäten switched. Dabei scheint es Fragwürdig wie Dick die Realität im Bezug auf die Fiktion sieht. Auf der einen Seite bemerkt man- „After all, an illusion, no matter how convincing, remaned nothing more than an illusion“, - und auf der anderen Seite wirkt ein –„ It’ll be a real trip in your mind“.

Schwankend zwischen zwei Dimensionen bewegt sich die Identitätsbildung und öffnet die Kluft zwischen Sein und Schein.

 

 

Quellen:

Dany, Hans-Christian. Eine Gesellschaft auf Droge. Hamburg: Lutz Schulenburg 2007, S .89-99.

Dick, Philip. „We Can Remember It For You Wholesale“, We Can Remember It For You Wholesale, Hg. Millennium, GB: Orion Books, 2000, S.157-174.

Silverberg, Robert. Drug Themes in Science Fiction, Los Angeles: National Institute on Drug Abuse 1975, S.33. (http://www.erowid.org/library/library_bibliography1.pdf, 10.Juni 2009)

June 2nd, 2009

Wir wollen uns bei diesem Eintrag auf DVDs von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer beziehen, in denen er Erkenntnisse über die Gehirnforschung vermittelt. Mit Hilfe dessen, wollen wir Total Recall auf das Thema Gedächtnis und Erinnerung überprüfen.

Gewolltes Vergessen: je mehr Gedanken aktiv unterdrückt werden, desto mehr werden sie vergessen
In Zuge von durchgeführten Studien, kam die Hirnforschung zu der Erkenntnis, dass Gewusstes durch aktives Nicht –daran-denken, tatsächlich vergessen werden kann.
Um zu diesem Ergebnis zu gelangen hat eine Gruppe von Studenten Wortpaare auswendig gelernt und in einem nächsten Durchgang sollten sie an das zweite Wort des Wortpaares entweder denken oder nicht denken. Das Resultat war, dass das zweite Wort tatsächlich vergessen wurde, wenn der Gedanke an ihnen aktiv unterdrückt wurde, selbst der anschließende Anreiz, dass sie Geld bekommen, für jedes Wortpaar, an das sie sich noch erinnern können, hat die Erinnerungsfähigkeit nicht steigern können.

Auf Total Recall umgelegt, würde das bedeuten, dass Hauser seine Vergangenheit und somit auch seine Identität, die mit den Erinnerungen in Zusammenhang steht, womöglich wirklich vergessen hat können um Mr. Quaid zu werden.

Falsche Erinnerungen: Gedächtnis ändert sich, wenn wir es benützen.
Spitzer erklärt, dass das Bild, das wir von unserem Gedächtnis haben meist falsch ist. Die Vorstellung, dass wir unsere Erinnerungen in einer Art Karteikartensystem ablegen und bei Bedarf einfach darauf zurückgreifen können und diese unverändert abrufen, ist falsch.
Erinnerungen seien vielmehr mit Tonklumpen zu vergleichen, die in Kästen aufbewahrt werden und jedes Mal wenn wir aus so einen Kasten einen Tonklumpen herausnehmen und ihn berühren, verändern wir ihn, sprich wir verändern unsere Erinnerungen ohne uns dessen bewusst zu sein.
So können durch fälschliche Inputs auch falsche Erinnerungen entstehen, von denen wir überzeugt sind, dass sie richtig sind.

Dies erklärt, warum unser Gedächtnis leicht zu manipulieren ist und wir uns selbst nie sicher sein können, ob unsere Erinnerungen tatsächlich der Wirklichkeit entsprechen. Mit dieser Frage der Gedächtnisfähigkeit wird Mr. Quaid beziehungsweise Mr. Quail gerechtfertigt konfrontiert.
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